Artgerechte Welpenaufzucht


Auswahl der Zuchthündin und des Zuchtrüden | Die Haltung der Zuchthündin | Der WurfDie ersten drei Lebenswochen

Die 4.-6. Lebenswoche | Die 7-10. Lebenswoche

 

1. Auswahl der Zuchthündin und des Zuchtrüden

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,,Was hat denn das mit der Aufzucht der Welpen zu tun", werden sie fragen. Sehr viel, denn von der Zuchthündin hängt Wohl und Wehe des gesamten Wurfes während einer ganz entscheidenden Phase ab. Nur eine gesunde Hündin, deren Verhalten in Ordnung ist, bei der auch die angewölften Verhaltensweisen stimmen, kann einen Wurf gut aufziehen. Sie sollte in allerbester körperlicher Verfassung sein. In der Verwandtschaft sollten keine genetischen Defekte vorkommen, vor allem nicht solche, die eine natürliche Fortpflanzung unmöglich machen. Das Gleiche gilt für den Rüden.

 

Es gibt heutzutage Rassen, die sich nur noch durch künstliche Befruchtung oder Kaiserschnitt fortpflanzen können. Diese Rassen haben sogenannte, „Züchter“ auf dem Gewissen! Dass die Hündin vor dem Zuchteinsatz frei von unerwünschten inneren und äußeren Bewohnern sein sollte, ist selbstverständlich! Flöhe sind kein Zeichen besonderer Gesundheit sondern Bandwurmüberträger.

 

 
2. Die Haltung der Zuchthündin

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Von allergrößter Wichtigkeit für ihr Wohlbefinden ist die regelmäßige tägliche Bewegung - nicht nur bei Fuß an der Leine. Meinen Beobachtungen nach gibt es häufiger Kaiserschnitte bei Hündinnen, die vorwiegend im Zwinger oder in Haus und Garten gehalten werden.

 

Zum Zeitpunkt des Deckens darf die Hündin auf keinen Fall zu dick sein. Die Wirbel des  Rückrats sollen  nicht zu sehen,  aber beim Drüberstreichen noch zu fühlen sein.

 

Auch während der Trächtigkeit sollte die Hündin keinen Speck ansetzen. Also erhält sie während der ersten 5 Wochen ihre ganz normale Futterration und erst, wenn sie sich zu runden beginnt, erhöhen wir in Maßen.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor für das Wohlbefinden der Hündin ist ihr Verhältnis zu ihrem Führer. Hier sollte sich während der Junghundentwicklung und der gemeinsamen jagdlichen Abrichtung und Führung ein absolutes Vertrauensverhältnis aufgebaut haben. Das ist während der Geburt von sehr großem Vorteil.

Bedenken Sie immer, unsere Hunde sind keine wilden Wölfe mehr, sondern seit tausenden von Jahren Gefährten des Menschen. Ihr Führer ist der Meutenchef, ihre Familie ist die Meute.

 

Meine Zuchthündinnen werden ganzjährig 2 mal täglich gefüttert, wobei zumindest eine Mahlzeit aus hochwertigem Fleisch, Flocken oder Reis und Mineralstoffmischung besteht.

 


3. Der Wurf

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Der entwicklungsmäßig günstigste Zeitpunkt ist es sicherlich, wenn unsere Welpen ins Frühjahr hineinwachsen. Die meisten Hündinnen werden zwischen November und März läufig und diese Hitze sollte man bevorzugt nutzen, obwohl aus der Sicht heutiger Züchter häufig artfremde Erwägungen ( Urlaub, Welpenabsatz,...) eine Rolle für den geplanten Zeitpunkt des Wurfes spielen.

Machen Sie die tragende Hündin rechtzeitig, d. h. 8-10 Tage vor dem voraussichtlichen Wurftermin mit der Wurfkiste und dem Raum für den Wurf vertraut. Wählen Sie diesen Ort nicht außerhalb Ihrer Hörweite. Welpen machen in den ersten Wochen keinen Dreck, sie sind weniger infektionsanfällig in einem warmen und trockenen Raum.

 

 

Nehmen Sie sich Zeit, wenn die Hündin wirft und haben Sie Geduld. Auch bei unseren in der Regel problemlos werfenden Jagdhunderassen ist kaum eine Geburt nach zwei Stunden beendet. Bei einer normalen Wurfgröße müssen Sie 4-6 Stunden rechnen.

 

Die meisten meiner Hündinnen legen größten Wert auf meine Anwesenheit. Ich erinnere mich an eine, die ihren ersten Welpen fast unter dem Frühstückstisch bekam, weil ich noch frühstücken wollte und sie nicht zur Wurfkiste begleitete.

 

Andererseits wollen werfende Hündinnen keine fremden Menschen in ihrer Nähe und verhalten unter Umständen die Geburt bei Anwesenheit von Fremden, bei Unruhe und Trubel. Lassen Sie Hündinnen, bei denen die Geburt kurz bevorsteht, nicht mehr unangeleint hinaus. Sie könnten sonst ganz besonders ,,artgerecht“ in einem selbstgegrabenen Erdloch unter der Hecke werfen, und ich weiß von Züchtern, die längere Zeit suchten, bis sie Hündin samt Welpen gefunden hatten.

 

Und denken Sie daran: nicht jeder geborene Welpe muss am Leben bleiben. Welpen mit Defekten sollten schmerzlos getötet werden. Nach zeitlich sehr ausgedehnten oder kopfstarken Würfen stellen Sie die Hündin dem Tierarzt vor um sicher zu gehen,  dass nichts zurückgeblieben ist - sonst bekommen Sie ein großes Problem.

 


4. Die ersten drei Lebenswochen

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Wenn Sie alles zuvor geschriebene beachtet haben, sind das nun ruhige Zeiten für Sie. Die Hündin dem langsam wachsendem Bedarf der Welpen entsprechend füttern mit qualitativ hochwertigem Futter und täglich die Unterlage der Welpen wechseln - das wars! Erwarten Sie von ihrer Hündin in dieser Zeit keine jagdlichen Arbeiten. Sie kann jetzt den Kopf nicht bei der Sache haben. Viele müssen in den ersten Tagen gewaltsam von ihren Welpen weggezerrt werden, um sich zu lösen und anderen muss man das Futter in der Wurfkiste servieren, bei großen Würfen bis zu viermal täglich.

 

 

Vom Zufüttern der Welpen mit der Flasche halte ich nichts - vorausgesetzt die Mutterhündin ist gesund.

Wenn die Welpen langsam wachsen, ist es für ihr Skelettsystem besser und sie erreichen ihre genetisch vorbestimmte Größe eben etwas später. Falls sich ein Welpe nicht durchsetzten kann : man muss nicht jeden Micker aufziehen.

 

Das bei manchen Züchtern so beliebte Rotlicht trocknet die Welpen aus, die Mutterhündin versucht aus der Wärme zu flüchten und die Welpen werden orientierungslos, wenn ihre Mutter nicht mehr der wärmste Ort in der Wurfkiste ist. Welche Auswirkungen Rotlicht auf die sich entwickelnden Augen der Welpen hat, ist noch nicht untersucht - aber man hat festgestellt, dass sechs von zehn Kindern, die nachts bei Licht schlafen, später eine Brille brauchen, dagegen nur zwei von zehn, die im Dunkeln schlafen. Ein gleichmäßig temperierter Raum mit nicht allzu trockener Luft ist vorzuziehen. Nach der ersten Lebenswoche senkt man die Raumtemperatur auf 20° C und darunter ab. Mit drei Wochen benötigen die Welpen keine Extrawärmequelle mehr.

 

 

5. Die 4.-6. Lebenswoche

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Nun verlassen die Welpen die Wurfkiste, und jetzt ist der Züchter gefordert, täglich intensiv Kontakt zu haben, um das Urverhältnis zum Menschen  herzustellen. Versäumt man  das,  ist eine spätere Zusammenarbeit mit dem Hund unmöglich. Es genügt nicht, das Futter hinzustellen - es muss wenigstens mit der Hand intensiv Kontakt zu jedem einzelnen Welpen aufgenommen werden, und das sollten auch verschiedene Menschen sein, nicht immer der gleiche.

 

Es beginnt auch die Zeit, wo die Welpen je nach Wetterlage kürzere oder längere Zeit hinauskommen. Ich halte es für vollkommen unmöglich, Jagdhundewelpen  nur innerhalb des  Hauses aufzuziehen.  Bei nasskaltem Wetter haben sich Wärmeplatten in der Hundehütte bewährt. Feuchte Welpen in der Kälte ist die Ursache für manches Problem im späteren Hundeleben. Ideal sind Aufzuchträume, wo die Welpen selber zwischen drinnen und draußen wählen können. Hier wird die Grundlage für die spätere Stubenreinheit gelegt. Je nach Wurfgröße wird jetzt auch zugefüttert. Artgerecht ist hochwertiges Muskelfleisch mit Flocken und Mineralstoffmischung.

 

lnstinktsichere Hündinnen beginnen nun ihren Welpen das Futter vorzuwürgen. Erhält die Hündin das gleich hochwertige Futter wie die Welpen, ist das kein Problem.

 

 
6. Die 7-10. Lebenswoche

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Anstrengende Zeiten für Züchter ! Täglich sollten Sie sich etwas Neues einfallen lassen für die Welpen, z. B. kleine Spaziergänge, Dressurangel, andere Menschen, Autofahrten, Futterschleppen, etc. Welpen in diesem Alter sind unheimlich wissbegierig und neugierig und spätere jagdliche Aufgaben lassen sich sehr schön spielerisch in der Welpenmeute vorbereiten. Erfahrene Züchter erkennen jetzt auch bereits manchen Charakterzug  und  versuchen  den  passenden  Führer  zum entsprechenden Welpen zu finden. Manche Welpen müssen gefördert, andere bereits gebremst werden. Aber vergessen Sie nicht vor lauter Eifer, dass Welpen noch viel Ruhe brauchen und wählen Sie die Aktionsphasen nicht zu lang.

 

 

Gefüttert wird dreimal täglich. Das genügt, denn wir wollen keine schlechten Fresser erziehen. Nun kann man die Welpen bereits an eine Fertigfuttermahlzeit gewöhnen, damit es später auf Reisen keine Probleme gibt. Bis zu zehn Wochen sollten die Welpen 3-4 mal entwurmt sein (jeweils zusammen mit der Mutterhündin) und einmal gegen Parvovirose, Leptospirose, Hepatitis und Staupe geimpft sein, damit sie auf das Leben bei ihrem neuen Besitzer vorbereitet sind. Die Immunität gegen diese Krankheiten wird jedoch frühestens nach einer weiteren Impfung in der 12. Lebenswoche tragfähig sein.

 

In unserer Verantwortung liegt es aber nun auch für unsere Welpen Führer zu finden, die ihnen weiter ein artgerechtes Leben bieten, d. h. Zuwendung, Arbeit und Bewegung und das jeden Tag- ein Hundeleben lang.

 


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last update 06.12.2017

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